Auf Eiersuche – unsere Woche vom 14. bis 18. Januar 2019

Montag

Am Montag früh schleppten Claire und der Bauer Uli einen weiteren Fichtestamm vom Nachbarshof zu unserem Bauwagen, um diesen hier zu schälen.  Viele Kinder machten sich gleich eifrig mit den kleinen Zieheisen an die inzwischen bekannte Arbeit, die Rinde abzuziehen.
Im Fachwerkschuppen feierten wir den Morgenkreis.
Anschließend ging`s in den Kleingruppen zum Tiere füttern.
Nach bereits zwei gelegten Eiern sind wir natürlich immer gespannt, wann es wieder einmal ein Ei zu finden gibt. Aber leider war auch heute kein Ei im Nest. 
Weil Lars am Samstag seinen dritten Geburtstag feiern konnte, haben wir ihn heute im Kindergarten natürlich nachgefeiert. Zum Glück hatte die Stoffhenne Berta ein Geschenk-Ei gelegt.
Normalerweise wandern wir montags zu unserem Wäldchen und holen Brennholz. Da wir heute nicht so viel Zeit hatten, sind wir durch die Siedlung zu Lars nach Hause spaziert. Auf dem Rückweg trafen wir Emanuels Mama. So kam‘s, dass wir mit zwei Kindern weniger im Bauernhofkindergarten ankamen.

Dienstag

Mit 7 Kindern konnten wir am Dienstag unseren Morgenkreis feiern, heute wieder im sogenannten Fachwerkschuppen.
Dort hängt auch die kleine Tafel mit den Fotos der Kinder und der Mitarbeitenden. Anhand derer teilen wir die zwei Gruppen ein, die sich um das Füttern und Versorgen der Hühner und der Ziegen kümmern. Zurzeit zupfen wir für die Hühner Grashalme und die Ziegen bekommen neben Stroh ein paar Gemüseblätter vom Acker. Alle „Leckerbissen“, die die Natur um diese Jahreszeit eben noch hergibt.
Zur Brotzeit versammelten wir uns im gemütlich warmen Bauwagen.
Elke servierte neben warmen Tee wieder das tägliche Frischgemüse:
Spinat, Kresse, Feldsalat und Rosenkohl.
Draußen hatten wir eine weitere Fichtenstange zu schälen, die Nummer 5. Immer wieder holte sich ein Kind ein Zieheisen, um sich beim Rindenschälen zu beteiligen. Das ist mühsam. Wenn jeder immer wieder mal mitmacht, ist um die Mittagszeit der Stamm fast geschält.
Der vom Bauer Uli und seinem Sohn Benny abgesägte Apfelbaumstamm aus Familie Wehrweins Garten hat inzwischen seinen Reiz versprüht. Er wird mehr und mehr als Spiel- und Kletterfreund entdeckt. Das schätzen wir sehr.
Wir beobachten, Kinder brauchen keine künstlich geschaffenen „Gerätschaften“, um sich zu entfalten und ausprobieren zu können. Solche naturgeschaffenen und –belassenen Wunderwerke, deren einmaligen Gegebenheiten man sich eben anpassen muss und kann, so wie sie gewachsen, geformt und gestaltetet sind, bieten neben dem  Raum zum Klettern, auch Raum für allerlei Fantasie-Spiele und Geschichten. Heute waren die Äste des alten Apfelbaums prima Reitpferde.
Den Abschlusskreis feierten wir im Steinkreis. Vom Schneeflöckchen, Weißröckchen  sangen wir und spielten mit den Fingern den Regenwurm Klaus.
Dazu gab es eine neue, vierte Regel zu erraten:
Wenn ich etwas nicht will, sage ich deutlich Nein! oder Stopp!
Wenn jemand Stopp! sagt, höre ich auf.
Das erlebten alle schon morgens im Bauwagen, als Elke und Helmut mittels Stoffhenne Berte und Handpuppe Papagei Paul mit den Kindern diskutierten, wie die beiden ihren Streit ums Futter beilegen und gut lösen können.

Mittwoch

Es sollte am Mittwoch wieder eine kleine Schulungseinheit für Kinder und Team geben.
Nach dem Morgenkreis im Schuppen zogen wir in die große Scheune vom Bauer Uli.
Nach der Brotzeit führte Helmut in den Umgang mit Ton ein:
Eine kleine Kugel rollen, daraus eine kleine Schüssel formen, noch eine kleinere Kugel herstellen, diese auf dem Kopf und auf der Nase balancieren und mit dem Schüsselchen einfangen – nicht ganz einfach, aber lustig.
Es folgten das Wurstrollen und das Ringformen.
Während Claire motivierte, kleine Figuren zu formen, lud Helmut immer ein Kind ein, mit ihm zusammen an der Töpferscheibe ein Schälchen zu drehen – auch nicht ganz einfach, aber mit ein bisschen Hilfe sind einige Müslischälchen entstanden.
Nun mussten die Tiere gefüttert werden.
Anschließend spazierten wir zu Lennart nach Hause. Dort konnten wir zuschauen, wie ein kleiner Bagger ganz besonders tief in der Erde nach einem Schacht suchte, während der große Bagger gerade mal Pause hatte. Wieder zurück beim Bauwagen stellte uns der geschälte Fichtenstamm vor die Herausforderung, unter dem Bauwagen versteckt zu werden. Mit vereinten Kräften, der Entdeckung der Hebelwirkung und des Fortbewegens auf Rollen gelang es fast mühelos, die 10 Meter lange Stange erst zum Bauwagen hin und dann der ganzen Länge nach nach hinten zu schieben.
Und dann hat das auch noch ganz praktische Seiten:
Der Stamm kann dort trocknen und liegt nicht mehr im Weg herum.
Leben und lernen im Natur- & Bauernhofkindergarten heißt auch „Physik im Alltag“ – ganz nebenbei zum Staunen, Entdecken, Anfassen und Ausprobieren.

Donnerstag

Am Donnerstag schälten wir zuerst die Fichtenstange fertig. In bereits geübter Gemeinschaftsaktion rollten und schoben die Kinder den langen Stamm unter den Bauwagen. Das klappte zur Überraschung aller perfekt und die Kinder stellten stolz fest: Das haben wir fast alleine geschafft.
Der Kochtag wurde auf Donnerstag vorverlegt, da wir Freitag einen Termin im Seniorenheim ARCHE am Schloss haben.
Wir bereiteten Apfel-Möhren-Rohkost zu. Mit Hilfe von vier Reibeeisen wurden abwechselnd Äpfel und Möhren geraspelt. Mit ein bisschen Öl und Zitronensaft vermischt schmeckte der Rohkostsalat fast allen.

Freitag

Am Freitag war Besuch im Seniorenheim angesagt. Nicole begleitete uns. Sie wird nun immer freitags bei uns sein.
Nach dem Morgenkreis und dem Tiere versorgen, packten wir den Bollerwagen. Aus Dinkelvollkornmehl wollten wir Neujahrsringe backen. Statt Zucker nehmen wir Honig.
Bevor die Senioren in den Gemeinschaftsraum kamen, stellten wir den Vorteig her. Alle wollten die Frischhefe riechen. Aila rührte die Hefe in die warme Reis-Milch. Nun musste der Vorteig gehen und wir hielten Brotzeit. Als der Vorteig mehr als doppelt so groß war, hieß es:
Ärmel hochkrempeln, Zutaten dazu geben und los geht‘s mit Kneten.
Die Senioren setzten sich dazu.
Da ging das Mehl aus.  Zum Glück gibt es auf unserem Bauernhof frisch gemahlenes Dinkelvollkornmehl.
Wir sangen derweil: „Backe, backe Kuchen“, „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ und „Januar, Februar …“  
Viele Senioren stimmten kräftig mit ein. 
Jetzt bekamen alle ein Teigstück, daraus sollten kleinen Schlangen gerollt werden. Ein paar Hausbewohner zeigten den Kindern, wie man die zu einem Zopf flechten kann – sehr spannende Momente der Zusammenarbeit! Endlich lagen die Ringe und Brezeln auf den Blechen und jedes Kind bestrich eines mit Eigelb. Die Senioren gingen zum Mittagessen und wir hielten nochmals Brotzeit, während herrlicher Duft aus dem Backofen den Raum erfüllte.  Alle ließen sich kleine Stücke von den Neujahrsringen schmecken und wir teilten dann mit den Senioren das Gebäck.
Eine Seniorin kam nach dem Mittagessen noch mal und meinte:
„Ich freu` mich immer sehr, wenn ihr zu uns kommt. Jetzt will ich mal öfter zu euch rüberkommen.“
Wir freuen uns natürlich auch sehr, denn wir können noch einiges von den Senioren lernen.